Herkunft und Entwicklung

Der Begriff des Adels beschreibt eine Gesamtheit von Familien, die einem bestimmten Stand angehören. Auch heute gibt es weltweit noch viele Adelsgeschlechte. Meist bezieht sich der Begriff jedoch auf frühere Zeiten, in denen der Adelsstand mit bestimmten politischen und gesellschaftlichen Vorrechten einherging. Der Adel verstand sich selbst als exklusive Gruppe, der es zustand, über andere zu bestimmen und zu herrschen. Ein Adelstitel wird daher oft mit Macht und großem Prestige verbunden.

In Europa deuteten frühe archäologische Funde auf die Existenz einer multifunktionalen Elite hin und gelten damit als frühe Zeugnisse des adeligen Lebens. Dazu gehören Statussymbole sowie luxuriöse Gebäude und Villen, die den jeweiligen Führungsschichten gehörten. Schon im Mittelalter bestand diese Schicht aus einer Gruppe von Individuen, die kulturell und sozial als überlegen angesehen wurde und andere Schichten anführte. Beginnend im 11. Jahrhundert, organisierte sich der Adel in Europa zunächst in Ständen. Für jeden Stand gab es jeweils unterschiedliche Rechte und Pflichten. 

In diesem ständischen System hielt man sich an einen strengen Verhaltenskodex und musste sich stets seinem Stand  entsprechend verhalten, wobei vom Adel der höchste Standard erwartet wurde. Dieses System wurde anschließend von demokratisch, sozialistisch oder kommunistisch geprägten Systemen abgelöst, wodurch der Adel einen Teil seiner politischen Macht verlor. Der Adel war mit der Zeit immer wieder Veränderungen ausgesetzt. Wie er sich individuell entwickelte, unterscheidet sich zudem stark von Land zu Land.

Weltweit brachen viele Adelsgesellschaften in sich zusammen oder verloren zumindest ihre politische Macht. In China existiert der Adel heute beispielsweise nicht einmal mehr als eine soziale Gruppe. Andernorts wurde der Adel aufgehoben, wie in der Weimarer Republik oder Österreich oder aktiv überworfen, wie in Frankreich oder Russland. Vereinzelt gibt es noch heute mächtige Königshäuser, zum Beispiel in Großbritannien, Thailand oder Kambodscha. Dort ist der Adel weiterhin von großer Bedeutung.

Der deutsche Begriff “Adel”, eng verwandt mit dem Wort “edel”, stammt vom althochdeutschen “adal” ab, was wiederum auf den westgermanischen Begriff “adilu” zurück geht und so viel bedeutet wie “vornehm”. Begrifflich handelt es sich beim Adel also um ein “vornehmes Geschlecht mit edlen Attributen” oder um eine “Gemeinschaft der Besten”. 

Einige Quellen behaupten zudem, dass der Begriff mit dem Wort “Odal” verwandt ist, welches den angestammten Grundbesitz einer Familie beschreibt. Da die beiden Begriffe sich stark ähneln, lässt sich eine mögliche Wortverwandtschaft annehmen. Dies ließe sich logisch begründen, da der Landbesitz zeitweise eine gewisse Rolle in der Gründung von Adelsgeschlechtern spielte. Ein Zusammenhang ist jedoch nicht belegt und wird von vielen Sprachwissenschaftlern angezweifelt.

Der lateinische Begriff “nobilitas” bedeutet “die Vornehmsten” und wird ebenfalls oft mit dem Adelsbegriff in Verbindung gebracht. Die Erwähnung dieser “Vornehmsten” in lateinischen Texten deutet auf eine soziale Gruppe hin, die ähnliche Attribute hatte wie die des Adels später. 

Frühe Übersetzungen sprechen jedoch noch nicht direkt vom “Adel”. 

So bringen zum Beispiel Martin Luthers Bibelübersetzungen die “nobilitas” nicht mit dem Adel in Verbindung, geben aber Aufschluss über die Ähnlichkeiten der beiden Begriffe. Seine Übersetzungen beschreiben die “nobilitas” als edel und achtenswert, insbesondere im Vergleich zum einfachen Volk. Sie sind anderen bekannt, heben sich ab und fallen insbesondere durch ihr nobles, großmütiges Verhalten auf. Luther schreibt ihnen eine ganze Reihe herausragender und ehrenwerter Eigenschaften zu. Dazu gehören außergewöhnliche Talente und Tugenden. 

Das Wort “Adel” fand sich weder im Mittelniederdeutschen noch im Frühneuhochdeutschen. Erst, als lateinische Originaltexte später ins Neuhochdeutsche übersetzt wurden, finden sich Übersetzungen, in denen vom Adel und adligen Personen die Rede ist. Inhaltlich beschreiben diese Texte jedoch eine soziale Gruppe, die den “nobilitas” stark ähnelt. Der Adelsbegriff ist sehr vieldeutig und kontextabhängig. Es handelt sich bei der beschriebenen Gruppe jedoch immer um die soziale Gruppe mit dem höchsten sozialen Rang, an der sich der Rest der Bevölkerung in der Regel orientiert.

In romanischen Sprachen wie Französisch und Italienisch, sowie im Englischen sind die Begriffe „nobel“ und “adlig” noch immer synonym. Im Deutschen haben sich beide Begriffe separat entwickelt. Es besteht jedoch im Deutschen weiterhin eine enge Verbindung zwischen dem Adel und seinen mutmaßlich noblen Eigenschaften. In vielen europäischen Ländern gilt der Adel auch heute als eine größtenteils geschlossene soziale Schicht, die weiterhin bestimmte Umgangsformen pflegt und einen Lebensstandard genießt, der sich teilweise stark vom Standard anderer Schichten unterscheidet.